Wenn man einmal in die Welt von "Kassandra" eingetaucht ist, dann entsteht eine tiefe Faszination für die mythologischen Figuren, die ja gerade zur Zeit, da Troja und Co. wieder
groß in Mode sind, von Interesse sein dürften, und das komplizierte Beziehungsgeflecht, das sie umgibt. Dabei ist es besonders interessant, die ganze Geschichte aus einer
radikal veränderten Position zu lesen. "Kassandra" ist kein trojanisches Heldenepos, keine Beweihräucherung männlicher Kampfkraft, sondern das genaue Gegenteil. Aus weiblicher
Sicht, nämlich aus Sicht der trojanischen Königstochter Kassandra, werden die Ereignisse geschildert, wobei allerdings nicht der Trojanische Krieg an sich, sondern ihre
Seelenlandschaft auf dem Weg zur Selbstfindung- und befreiung im Mittelpunkt steht. Das ist durchaus faszinierend. Mit einer ordentlichen Portion Bitterkeit wirft Kassandra
ihren zuweilen glasklaren Blick auf die Geschehnisse um sie herum und entlarvt dabei die Urtypen menschlicher Dummheit und Abgründe. Somit steckt in diesem Buch auch
erschreckend viel Wahrheit.
Nebenher begeistert mich auch die Sprache, die eine fast lyrische Schönheit erreicht. Ich habe das Buch ein weiteres Mal komplett laut gelesen, um mir die brillanten
Wortkompositionen wirklich auf der Zunge zergehen zu lassen.
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ISBN : 3-630-62073-6
EAN : 978-3-630-62073-2